Traubenkerne,
die in einem keltischen Grab bei Weiler im oberen Nahetal gefunden
wurden, belegen, daß der Weinanbau in unserer Region bereits tief
in vorrömischer Zeit heimisch war.
Für
den Disibodenberg wird vermutet, daß sich schon damals an diesem
immer wieder als magisch empfundenen Ort ein Heiligtum befunden
hat. In römischer Zeit war auf dem Disibodenberg eine Tempelanlage.
Über deren genaue Lage und Gestalt ist allerdings nichts bekannt.
Lediglich römische Spolien, die in den romanischen Klosterbau
integriert wurden, zeugen noch von diesem Bau. Auch über Weinbau
in römischer Zeit am Disibodenberg ist nichts überliefert.
Die
Klostergründung soll sich dann der Legende nach so begeben haben,
daß der irische Mönch Sankt Disibod im 6. Jahrhundert auf dem
Disibodenberg rastete. Bei der Rast hatte er seinen Wanderstab
in die Erde gesteckt, der plötzlich grünte und Knospen trieb (unseres
Erachtens ein Weinstock). Viele Jahre zuvor war Disibod geweissagt
worden, daß er an dem Ort, an dem ihm solches widerfahren werde,
ein Kloster gründen sollte.
Von
dem Kloster aus wurde das Nahe-Glan-Gebiet christianisiert. Die
vielschichtige Geschichte des Klosters von der vorkarolingischen
Gründung bis in das 16. Jahrhundert auch nur in Grundzügen widerzugeben,
würde den Rahmen dieser kleinen Übersicht völlig sprengen. Im
Hinblick auf die Geschichte unseres Weingutes ist jedenfalls festzuhalten,
daß die Klostermühle als zentraler wirtschaftlicher Stützpfeiler
des Klosters seit über tausend Jahren besteht und die Mönche den
Weinbau um den Disibodenberg zur Blüte brachten. Unbedingt erwähnt
werden muß auch, daß Hildegard von Bingen, deren Geburtstag sich
im Jahr 1998 zum 900. Mal jährt, zwischen 1106 und 1148 in dem
Kloster lebte. Hier hatte die weltberühmte Frau ihre Visionen,
und hier befaßte sie sich auch mit den Eigenschaften und Heilkräften
des Weines. Es kann als sicher angenommen werden, daß die von
ihr beschriebenen "fränkischen" und "hunnischen"
Weine in den Weinbergen des Klosters, unseren Weinbergen, gewachsen
sind.
Nachdem
in der Reformation das Kloster durch die Herzöge von Pfalz Zweibrücken
säkularisiert wurde, blieben die Weinberge wie auch die Mühle
in landesherrlichem Besitz und wurden verpachtet. Die neuere Zeit
des Weinbaus in Odernheim und die Entwicklung unseres Weingutes
in seiner heutigen Grundstuktur beruht auf der Tätigkeit der für
zwei Jahrhunderte das Dorf prägenden Familie Schmidt. 1753 ließ
sich in Odernheim nach einem Wanderleben der sogenannte "Ostindier"
Johann Peter Schmidt nieder. Sein Sohn Abraham Schmidt der Erste
begründete eine Ölmühle, die von dessen Urenkel Fritz Schmidt
im Jahre 1909 in eine moderne Speiseölfabrik auf dem Gelände der
Klostermühle verwandelt wurde. Diese Ölfabrik wurde ständig modernisiert,
verblieb dabei bis in die achte Generation im Familienbesitz,
bis 1982 nach einem Großbrand die Stillegung erfolgte.
Neben
der Ölfabrik pflegte Familie Schmidt mit hohem Qualitätsanspruch
den Weinbau, vor allem Riesling im besten Teil des Klosterberges.
Dem Interesse von Gerhard und Eugen Schmidt für französischen
Burgunder ist es zu danken, daß Ende der 60er Jahre ein Burgunderweingut
an der Nahe entstand. Ein neues Betriebsgebäude mit allerbester
Ausstattung wurde errichtet, der Weinbergsbesitz erheblich erweitert.
Der Montfort in seiner heutigen Gestalt wurde geschaffen.
In
den 70er und 80er Jahren erhielten die Burgunder des Weingutes
vielfältige Auszeichnungen, Beachtung in der Literatur und die
Wertschätzung zahlreicher Weinfreunde. Einer von ihnen war ich
selbst.
Ich
kannte den Betrieb und die Weinberge schon aus Kindertagen und
brachte eines Abends ein paar Flaschen Odernheimer Burgunder nach
Marburg zu meinem Freund Dr. Peter Becker. Sie wurden mit Bewunderung
gemeinsam getrunken. So entschlossen wir uns, als im Frühjahr
1993 der Betrieb zum Verkauf stand, zum Erwerb.
"Ohne
Ihr Engagement wäre die Klostermühle vielleicht verödet"
hat uns Armin Diel einmal geschrieben.Statt dessen blüht sie wieder
auf:
Investitionen
in Keller und Weinbergen und eine engagierte, kundige Mannschaft
unter der Leitung des Diplomingenieurs für Weinbau Thomas Zenz
(Betriebsleiter) und meiner Schwester Charlotte Held (Vertrieb)
sorgen dafür, daß der Traditionsbetrieb mit frischem Wind ins
neue Jahrtausend geht. Deutsche Spitzenweine sind noch immer stark
unterbewertet. Wir glauben, daß sich dies ändern wird, denn zunehmend
wird ihre einzigartige Qualität erkannt. Darin liegt eine wirtschaftliche
Chance.
Vor
allem aber machen wir mit Leidenschaft Wein.
Schmecken
Sie das?